Grundsätzliches

Der Vorrang der Ästhetik

“Ästhetik” bedeutet für uns mehr als Kunsttheorie oder das Bemühen um künstlerische Werke. In einer Welt der gewohnheitsmäßig ökonomisch- technischen und nur gelegentlich moralischen Rücksichten fragen wir  stattdessen danach, wie menschliches Leben im Ganzen gelingen kann. Dass ein Leben nicht richtig oder falsch, effektiv oder ineffektiv sein kann, sondern nur „gelungen“ oder „misslungen,“ zeigt, dass technische und ethische Überlegungen allein nicht ausreichen, um unser Handeln zu leiten. Vollständig wird unsere Handlungsorientierung erst aus ästhetischen Erfahrungen heraus, also aus den Erfahrungen der Kunst, die ihrerseits auf die Erfahrung der Liebe, der Sehnsucht, der Harmonie mit der Natur, der Religion, des Körpers und ähnliche Aspekte verweist.

Eine wichtige Grundbedingung des Ästhetischen ist auch die Erfahrung unserer Umgebung. Unsere Umgebungen sind vielfach technisch geworden. Selbst in den Häusern, in denen wir leben, unterwerfen wir ästhetische Aspekte den Fragen der Technik oder der Ökonomie. So ist es uns zum Beispiel viel wichtiger, dass unsere Häuser gut isoliert sind, als dass sie eine Gestalt oder ein „Gesicht“ haben. Es ist uns vielfach wichtiger, „praktische“ und pflegeleichte Gegenstände zu haben, als schöne. Wir bauen heute vielfach nach technischen und ökonomischen Gesichtspunkten und montieren nachträglich „Kunst“ an unsere Bauten, statt die Bauwerke selber nach ästhetischen Gesichtspunkten aufzuführen und zu fragen, wie wir in ihnen „wohnen“ wollen. Wir  zerstören Landschaft,  um ein gesellschaftliches Leben, das eher an der falschen Verteilung von Gütern leidet als an ihrem Mangel, noch reicher und damit noch ungleichgewichtiger zu machen.

Man könnte noch mehr solche Beispiele bringen, die zeigen, dass das Ästhetische nicht etwa ein schöner Nebenaspekt, sondern der oft stark vernachlässigte Hauptaspekt unseres modernen Handelns und Lebens ist und dass eine neue Konzentration auf  „Aisthesis“  hochaktuell ist. Der Mensch ist nicht nur ein homo faber oder ein politisches Wesen, sondern auch „Künstler“, d.h. ein kreatives Wesen, das ästhetische Korrespondenzen zur Welt aufbaut. **  Unsere Beschäftigung mit künstlerischen Fragen, philosophischer Reflexion, Fragen der Lebensführung, der Wahrnehmung und Umgebungsgestaltung, sowie eine entsprechende auch in die Öffentlichkeit hinein wirkende Praxis ergeben sich aus dieser Auffassung.

“Dienstleistung am Geist“

Der Schnackenhof wurde in der Presse gelegentlich als „Institut für spielerischen Ernst“, als „Festforschungsverein“ oder auch als „Dienstleistung am Geist“ (Der Spiegel*) bezeichnet. Wir haben kein Rezept zur Weltverbesserung  und propagieren keine Weltanschauung, aber wir haben eine Reihe von ästhetischen Aktivitäten entwickelt, die jedem gestatten, seine Antworten auf die Frage nach dem Gelingenden und dem Wozu des Lebens zu finden. Dazu gehört die Selbstvergewisserung über unsere Sinne, die Verbindung der Bereiche Kunst, Handwerk, Festlichkeit und alltägliches Leben, die intensive Bearbeitung von Themen wie Einrichten, Bauen, Festlichkeit,  Zeitstrategien, Geschichte der Landschaft, Essen, Philosophie des Gartens, Gesprächskunst, aber auch Erfahrungs- und Übungsformen wie Yoga, Meditation oder die Palintonos-Übungen. 

 

Philosophie für Kreative

Die „Philosophie für Kreative“ ist eine über die bisherigen Aktivitäten des Schnackenhofs  hinausreichende Reise- und Seminarpraxis für Künstler, Kreative, allgemein Interessierte und zunehmend auch Unternehmer, bei der Philosophie und festliches Zusammensein an besonderen Orten miteinander verbunden werden. Die Seminare fanden bisher im Künstlerhaus Schloss Wiepersdorf, in Italien (Gardasee), auf Teneriffa (www.Mariposa-projekt.de) im Riesengebirge und auf Schloss Steinhöfel statt. Das Ziel dieser Treffen ist weniger die Diskussion philosophischer Schulthemen und mehr die Übung einer möglichen Verschmelzung von Literatur, Philosophie, bildender Kunst und Musik mit Gesprächskultur und Körperarbeit. Für die Orte, die wir wählen, zählt nicht der gebotene Luxus oder die technische Ausrüstung, sondern das ästhetische, historische oder literarisch Bedeutsame. Die „Übungen“, die wir  in Ergänzung zu Seminaren, Exkursionen und Konzerten wählen, reichen von Yoga (Ramona Faltin) über Feldenkrais (Christoph Daenstedt, Berlin) bis zu den Meditationskreisen (Undine Stier).

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